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Sonntag, 16. August 2020

Mit Velo, ohne Velo

Der Zug Zürich ab 6 Uhr 37 nach Chur fuhr gestern mit zehn Minuten Verspätung los. Der Grund: Biker, die für ihre Velos nicht reserviert hatten und diese in die Vorräume quetschten, so dass man weder aufs WC konnte noch den Waggon wechseln. Die Kondukteurin musste ihnen in harter Therapiearbeit beibringen, dass so etwas im Notfall tödlich sein kann, versperrte Fluchtwege und so. Am Ende stiegen die Velöler dann doch aus, und der Zug konnte endlich starten. Unsereins reiste zu einem Zweitäger nach Schuls. Ohne Velo. Hier ein Foto vom Muot da l‘Hom über Ftan, der Zacken links ist der Piz Buin.
https://drive.google.com/uc?export=view&id=1_QqgZ6ebigk3Oi1zON43ld-9I3dzHXlk

Samstag, 15. August 2020

Mümmelfisch

Protosiganus glarisianus, fotografiert ab der Infotafel in der Tschinglenschlucht.
Man fand das Fossil beim Schieferabbau in Engi im Kanton Glarus, heute ist es im Basler Naturhistorischen Museum ausgestellt. Protosiganus glarisianus, der Proto-Kaninchenfisch, wie er auf Deutsch heisst, schwamm vor 30 bis 50 Millionen Jahren im Glarner Urmeer. Als wir kürzlich von Elm, Engis Nachbarort, zu unserer Wanderung über den Segnespass aufbrauchen, kamen wir als erstes in die Tschinglenschlucht. Dort ist das Tierchen auf einer geologischen Infotafel abgebildet. Wer nun aber im Fischskelett das Hasenartige sucht, denkt in eine falsche Richtung. Kaninchenfische gibt es auch heutzutage. Sie heissen so, weil sie - es handelt sich um Pflanzenfresser - beim Verspeisen der Nahrung mümmelnde Oberlippen-Bewegungen machen.

Freitag, 14. August 2020

Die perfekten Spare Ribs

Blick in den Schrank, in dem die
teuren Stücke bei 1.8 Grad reifen.
Vegetarier wegschauen! Allen anderen möchte ich sagen: Sehen meine Spare Ribs an einem süsslich-scharfen Barbecuesösseli nicht traumhaft aus? Das Fleisch war so perfekt gegart, dass es sich mit der Gabel vom Knochen lösen und zerteilen liess. Am Mittwochabend war ich mit einem Freund wieder einmal im Fleisch am Chnoche. Das Restaurant und seine grosse Terrasse sind der perfekte Ort für einen Sommerabend. Unten in der Waldsenke am Wehrenbach zwischen Zürich-Witikon und Zollikerberg ist es dann unglaublich lauschig. 

Donnerstag, 13. August 2020

Ein Pass, ein Buch

Ein Buch macht mir Lust, wieder einmal in der Region zu wandern, der es sich widmet. "Entdeckungen am San Bernardino - Natur, Landschaft und Geschichte einer Passregion" heisst es. Ich mag den Duktus dieser Neuerscheinung aus dem Verlag Hier und Jetzt, der Stil ist nüchtern, aber präzis mit einem wissenschaftlichen Einschlag. Die erste Hälfte besteht aus einer Einführung, es geht um Geologie und Vegetation, aber auch um Historie und Handel. Die zweite Hälfte regt 14 Exkursionen an. Wer weiss, vielleicht absolviere ich bald Exkursion eins, die von Castione über Arbedo nach Cama führt und einen Besuch des Museo Moesano in San Vittore einschliesst. De archäologische Ausstellung dort ist offenbar besonders reichhaltig. Denn der San-Bernardino-Pass samt der Landschaft Rheinwald im Norden und dem Misox im Süden ist seit der Bronzezeit ins europäische Verkehrsnetz eingewoben.

Mittwoch, 12. August 2020

Der zweite Turm wächst

Kein besonders gutes Foto, ich weiss. Ich machte es kürzlich aus dem fahrenden Zug, in Basel. Links sehen wir den Roche-Turm, mit 178 Metern das höchste Hochhaus der Schweiz. Zu seiner Rechten - darum das Foto - wächst der zweite Roche-Turm heran, der 205 Meter hoch sein wird. Er ist schon ziemlich weit gediehen. Armes Basler Münster, du siehst bald noch kleiner aus.

Dienstag, 11. August 2020

Erinnerungsmal am Bergweg

Unterhalb des Segnespasses und des Martinslochs, auf der Flimser Seite, passierten wir letztes Wochenende am Bergweg dieses Mal. Kerzen und Steine mit Namen darauf erinnern an das Flugzeugunglück im August vor zwei Jahren. Damals kam ein Ju-52-Oldtimer in geringer Höhe ins Trudeln, schmierte ab und prallte mit der Nase voran auf. Beide Piloten, die Flugbegleiterin und die 17 Passagiere starben. Wie es zum dem Unfall kam, ist unklar, der Schlussbericht der Untersuchung, von dem man sich eine Klärung erhofft, wird - voraussichtlich - diesen Oktober vorliegen.

Montag, 10. August 2020

Aufstieg unter dem Mörderhorn

Das links ist kein Wüstenscheich, sondern ein Wanderer mit Sonnenschutz.
Das Alphorn sei aus Karbon und federleicht, sagte uns der Bläser.

Tiefblick ziemlich weit oben am Segnespass Richtung Elm.
Diesen Knochen fanden wir auf der Passhöhe. Er stammt wohl von einem
verendeten Wanderer. B. fand im Selbstversuch heraus: Oberschenkel!
Am Samstag machten wir den Segnespass, der von Elm nach Flims führt. Die Gehdauer und Höhenunterschiede habe ich gestern aufgelistet und auch berichtet, dass es sich um einen sehr strengen Übergang handle. Nie gibt es im gegen fünfstündigen Aufstieg eine Strecke, auf der man mal ein paar Minuten geradeaus geht. Wildbäche sind zu queren, Vorsicht ist geboten. Oft sind die Tritte jenseits jeder Treppenfabrikanten-Norm punkto Höhe. Die endlose Brüschegg wartet mit unzähligen Steilkurven auf, und über ihr thront das Mörderhorn. Der Segnespass ist ein grossartiger Pass, der tut, was Pässe in der heutigen Freizeitgesellschaft tun sollen: Er bietet dem Wanderer Widerstand. Sowie eine geballte Ladung Schönheit, man sieht zum Beispiel das berühmte Martinsloch aus der Nähe. Und kommt auf der Flimser Seite zur urtümlichen Ebene von Segnas Sut und dem Wasserfall mit dem klingenden Namen Tschenghel dil Gori. Alles wunderbar bis zum Höhenweg von Segnas Sut hinüber nach Naraus mit Tiefblick auf den Flem, den Gebirgsfluss, der Flims den Namen gegeben hat. Man muss den Segnespass einmal im Leben überschritten haben. Für mich war es am Samstag das zweite Mal.

Gebirgsidyll: die Ebene von Segnas Sut.

Rückblick von Segnas Sut zu den Tschingelhörnern (M.) und der Passsenke (rechts).