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Montag, 14. Juni 2021

Ich trank auch

Die Brunnenfassung der Jakobsquelle in der Nagelfluhflanke des Kronbergs.

Viele Male war ich auf dem Kronberg, verpasste es aber stets, die Jakobsquelle zu besuchen, die in der Steilflanke nordöstlich unterhalb des Gipfels liegt und durch einen kleinen Brunnen gefasst wird, der wiederum durch einen unscheinbaren Wanderweg von der Jakobskapelle her erschlossen ist. Es gibt zwei Legenden. Die eine besagt, dass der Apostel Jakob hier seinen Wanderstab in die Luft schleuderte, der bis zum Pilgerort Santiago de Compostela flog. Gemäss der anderen Legende war es umgekehrt, Jakob schleuderte seine zwei Wanderstäbe in Santiago in die Luft, worauf diese sich am Kronberg nah Appenzell in den Boden bohrten - eine Quelle entsprang. Dass der Kronberg am Jakobsweg nach Santiago liegt, geht jedenfalls auf die Quelle und ihre Legende zurück. Die nahe Kapelle respektive ein Vorgängerbau ist schon für 1464 verbürgt, das Volk stieg auf, betete und ging dann zum Wasser, das gegen Schmalbrüstigkeit, Unfruchtbarkeit und andere Besten helfen soll. Ich trank auch, als wir am Samstag vorbeikamen, schaden kann so etwas nie. Ich bin glücklich, die Jakobsquelle endlich kennengelernt zu haben. 
Die Jakobskapelle kennt jeder, der schon von Osten den Kronberg bestieg.

Sonntag, 13. Juni 2021

Jedem sein Vehikel


Wenn ich frühmorgens um sechs die Zeitung aus dem Briefkasten hole, sehe ich für gewöhnlich die Fahrzeuge zweier Menschen, die beide in meinem Haus wohnen: vorn das Velöli des kleinen Mädchens und hinten das Invalidenmobil der älteren Frau, die nicht mehr gut zu Fuss ist. Und jedesmal muss ich an die antike Geschichte der Sphinx denken, eines Ungeheuers, das vor Theben allen Vorbeikommenden dasselbe Rätsel stellt; wer es nicht lösen kann, wird von ihr getötet. Als Ödipus an der Reihe ist, liefert er die richtige Antwort, worauf die Sphinx sich aus Wut umbringt. Hier das Rätsel, das ziemlich bekannt ist. Wer die Lösung nicht findet, kann sie hier nachschauen.

Also, das Rätsel lautet:

Es ist am Morgen vierfüssig, am Mittag zweifüssig, am Abend dreifüssig. Von allen Geschöpfen wechselt es allein die Zahl seiner Füsse. Wenn es die meisten Füsse bewegt, sind Kraft und Schnelligkeit seiner Glieder am geringsten.

Samstag, 12. Juni 2021

Whaaat?

Der Titel zum Quiz von "Watson".
Mein neues Buch, also Büechli, namens "Mein Wortschatz" ist jetzt seit 14 Tagen auf dem Markt. Diese Woche erfreute mich die Newsplattform "Watson" mit einer kreativen Reaktion. Journalistin Anna Rothenfluh nahm zehn Wörter aus dem Buch, die nicht aufs erste verständlich sind, und stellte zu jedem Wort vier Antworten bereit. Ein Quiz also. Wer es lösen möchte, voilà der Link – ich wünsche viel Spass.

PS: Heute gehts schon wieder ins Appenzellerland. Dabei war eigentlich geplant gewesen, dass wir im Urnerland wandern. Stellte sich aber heraus, dass es von Zürich Richtung Zentralschweiz eine Bahn-Baustelle gibt mit Ersatzbussen zwischen Thalwil und Zug. Das wollten wir uns nicht antun. Urnerland, wir schauen später mal vorbei.

Freitag, 11. Juni 2021

Bitterli und die Wasserfrage

Mein Burgenartikel. Halt mit Werbung im hinteren Teil.

Für die "Schweizer Familie" führte ich ein Gespräch mit dem Basler Historiker Thomas Bitterli, 69, der nach 25 Jahren als Geschäftsführer des "Schweizerischen Burgenvereins" zurücktritt. Thema? Ja, klar, Burgen! Es geht in dem Interview um Raubritter und die sogenannte Vertikalbewegung des 12. Jahrhunderts, um den Unterschied zwischen Schloss und Burg, aber auch um den Alltag in einer mittelalterlichen Burg. Spezialist Bitterli – er publizierte 1995 den "Schweizer Burgenführer" – spricht schön anschaulich. Man kann das nachlesen, das Heft ist jetzt am Kiosk erhältlich. Auf meine Frage, wie die Burg zu Wasser kam, antwortet Bitterli:

"Man strebte beim Burgbau einen Brunnen an, indem man Richtung Grundwasser bohrte. Doch das führte nicht immer zum Erfolg. Die Alternative zum Brunnen war die Zisterne, wie wir sie heute im Schrebergarten finden. Eine mittelalterliche Burgzisterne, als Hohlraum in den Felsen geschlagen, fasste bis zu 10 000 Liter Wasser. Regenwasser in der Regel. Wo man aus Platzgründen keine oder keine genügend grosse Zisterne einbauen konnte, machte man es wie heute, wo man das Trinkwasser harassweise in Flaschen ins Haus holt. Man schaffte das Wasser in Fässern in die Burg. Heutzutage braucht jede Person 150 bis 180 Liter Wasser pro Tag, zum Trinken, Kochen, Baden, Duschen, für die WC-Spülung, die Geschirr- und die Waschmaschine. Im Mittelalter reichten zwei bis drei Liter Wasser pro Person."

Donnerstag, 10. Juni 2021

Der Duft der Ostschweiz



Ich liebe den zimetflade, weil er ein bisschen altmodisch ist und weil er wohl langsam ausstirbt. Er ist eine bedrohte Spezies, verkörpert den Artenschwund im Süsswarensektor. Gestern hatte ich wieder einmal ein Stück dieser Appenzeller und Toggenburger Spezialität, die auch im "Kulinarischen Erbe der Schweiz" erfasst ist. Das war zuhause bei meiner Mutter, die in Hundwil im Hirschen Brot und Backwaren kauft, einer Ablage der Bäckerei-Konditorei Mühle etwas ausserhalb des Dorfes. Beim Zimtfladen handelt es sich um einen runden Gewürzkuchen, den man recht lange aufbewahren kann, da er von Anfang an ein bisschen trocken ist. Nötigenfalls streiche ich ein wenig Butter auf. Gestern brauchte ich das nicht zu tun, unser Exemplar war frisch. Und duftete fein. Nach Kindheit und nach Ostschweiz.

Mittwoch, 9. Juni 2021

Mondlichtwandern

In der Schweizer Wandernacht läuft einiges. In 
Blau die Orte mit geführten Wanderungen.

Die Nacht vom 26. auf  den 27. Juni ist wieder einmal die Schweizer Wandernacht. Der Anlass unter Obhut der Schweizer Wanderwege ist doch schon 15 Jahre alt, hat also bereits ein klein wenig Tradition. Veranstalter an vielen Orten der Schweiz bieten eine geführte Nachtwanderung an, insgesamt sind es 79 Anlässe. Wer findet, er wolle nicht im Dunkeln tappen, dem sei mitgeteilt, dass am 24. Juni Vollmond ist. Zwei Tage später wird der Mond auch noch hübsch erhellend wirken.

Dienstag, 8. Juni 2021

Als der Delphin sank

In einer Dezembernacht des Jahres 1850 stürmt es am Walensee, der damals Teil einer wichtigen Handelsroute ist. Der Dampfer "Delphin" sinkt mit 13 Menschen an Bord, unter den Toten sind unter anderem zwei Seidenindustrielle aus der Lombardei, die Gattin eines Bündner Grubenmeisters, ein ehemaliger Söldner mit seinem Sohn und die ganze Schiffsbesatzung von Steuermann bis Heizer. Der Glarner Schriftsteller Emil Zopfi hat das Unglück rekonstruiert und erzählt es in Form eines realitätsnahen Romans nach – gestern las ich die Ankündigung zur Neuerscheinung "Der Untergang des Delphin" und stellte fest, dass ich von dieser historischen Schiffskatastrophe bis anhin nichts gewusst hatte.