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Sonntag, 14. Januar 2024

Halbzeit!


Zurück von einer sonnenreichen Wanderung, fotografierte ich gestern Nachmittag in Zürich den Stadelhoferplatz, hinten ist der Zürichsee erahnbar. Just an diesem Ort und zu diesem Zeitpunkt fiel mir ein, dass wir bereits die Hälfte des Winters hinter uns haben. Wenigstens nach der Definition der Meteorologie, die den Winter als die Spanne der kombinierten Monate Dezember, Januar, Februar versteht. Das sind normalerweise* 90 Tage. Heute sind 45 Tage vorbei. Mir ist das recht so, ich gestehe, dass ein Teil von mir, so circa 51 Prozent, sich jeden Winter nach dem Frühling sehnt.

* Es gibt da eine kleine Komplikation. Heuer ist der meteorologische Winter einen Tag länger, weil wir ein Schaltjahr haben mit einem zusätzlichen Februartag. Ganz, ganz streng genommen, ist die Hälfte des Winters also erst am Montagmittag erreicht. Damit kann ich leben.

Samstag, 13. Januar 2024

Augenschmaus

Viburnum. Zu Deutsch: Schneeball. Ich fotografierte die roten Beeren kürzlich im Freiburgischen und hatte grosse Lust, von ihnen zu naschen, sie sehen aus wie Johannisbeeren.  Allerdings wäre mir das nicht bekommen. Die unreifen Beeren von Viburnum opulus, dem Gemeinen Schneeball, sind giftig. Und die reifen Beeren sind roh ungeniessbar; früher, dies immerhin, kochte man aus ihnen Gelee oder Marmelade. Ich musste mit Schauen vorliebnehmen. Im Winter ist Viburnum ein Landschaftsschmuck. Farbe im kahlen Gelände. Ein Augenschmaus.

Freitag, 12. Januar 2024

Der Bikerskilift

Urnäsch mit dem Reka-Feriendorf in der Bildmitte.
(Foto: Adrian Michael / Wikicommons)

In der Januar-Nummer des "Appenzeller Magazins" las ich eine interessante Kurzmeldung zum Ausserrhoder Reka-Dorf Urnäsch. Dieses hat ein Problem mit seinem Skilift. Respektive hat dieser Skilift, der seine Kundinnen und Kunden von bescheidenen 850 auf bescheidene 1080 Meter befördert, ein Problem mit dem Schneemangel; in den vergangenen Saisons war die Anlage jeweils nur wenige Tage in Betrieb. Inzwischen gibt es eine rettende Idee: Im Sommer sollen Bikerinnen und Biker den Lift nutzen. Letztes Jahr lief ein technischer Versuch mit einem Bügelsystem der "Garaventa", bei dem Leute verschiedenen Alters auf ihrem Velo in die Höhe gezogen wurden. Das funktionierte bestens. Jetzt plant der Verwaltungsrat des Skilifts eine breiter angelegte Machbarkeitsstudie.

Donnerstag, 11. Januar 2024

Der Laurentiusrost

Das Wappen von Bülach.
(Quelle: Peter Ziegler, "Die Gemeindewappen
des Kantons Zürich" / Wikicommons)
Das Wappen der Stadt Bülach zeigt vor flammend rotem Hintergrund in Weiss (weissglühend?) den sogenannten Laurentiusrost. Jenes Grillgitter, auf dem der heilige Laurentius, Schutzpatron der im Frühmittelalter wurzelnden Bülacher Laurentiuskirche, gefoltert und getötet wurde. Brutal! Nach der Reformation verschwand das Wappen, Heilige und die Erinnerung an sie wurden ausgeblendet, stattdessen diente fortan ein rot-weisser Schild als Hoheitszeichen. 1931 beschloss die Gemeindeversammlung, das frühere Wappen mit dem Rost wieder einzuführen. Es waren andere, weniger sensible Zeiten, ich glaube nicht, dass der Laurentiusrost heute eine Abstimmung überstehen würde.

Mittwoch, 10. Januar 2024

Die Keltenfestung über der Glatt

Auf dem Hügel Alte Burg, ein Wall mit zwei Gräben links und rechts ist deutlich zu erkennen.
Schweizmobil-Screenshot mit der Station
Glattfelden (oben rechts) und der Alten Burg (unten).

Südlich der Station Glattfelden erhebt sich in einer der Schleifen der Glatt ein 50 Meter hoher Nagelfluhhügel. Auf der Karte ist er als "Alte Burg" bezeichnet. Gemeint ist aber wohl keine Burg des Mittelalters, Mauerreste wurden jedenfalls keine gefunden, erklärt unten am Fluss eine Infotafel. Trotzdem konnte ich am Samstag, als ich mich auf dem Hügel umschaute, eine Verteidigungsanlage klar ausmachen, die dadurch entstand, dass man Gräben grub und den Aushub zu zwei parallelen Wällen anhäufte. Die primitive Festung stammt laut der Infotafel wohl aus vorgeschichtlicher Zeit und wird den Kelten zugeschrieben. Ich war beeindruckt, anderswo erkennt man von solchen Bauten im Gelände praktisch nichts. Hier aber wird die Prähistorie fassbar.
An der Glatt. Links sieht man als helles Band den breiten Weg auf den Hügel.
Blick von oben Richtung Norden.

Dienstag, 9. Januar 2024

Engel mit Waage

Michael mit Schwert und Waage, der Teufel …
… ist besiegt und krümmt sich.
Unterwegs von Menziken nach Büron, kamen wir letzte Woche in Mullwil vorbei. Eine kleine Kapelle stand im Weiler, die wir natürlich besuchten, um einen Bau von 1930 handelt es sich, der die mindestens 400-jährige Vorgängerkapelle ersetzte und dabei drei Statuten übernahm. Eine Statue fesselte mich gleich, die Gestalt sah weiblich aus, sie hatte eine Waage in der Hand, aha, dachte ich: die Justitia. Wobei die personifizierte Gerechtigkeit ja normalerweise mit verbundenen Augen dargestellt ist, was verdeutlicht, dass ohne Ansehen der Person geurteilt wird. Nun, die Augenbinde fehlte in diesem Fall. Es war ja auch nicht die Justitia. Sondern der Erzengel Michael. Er hält meist ebenfalls eine Waage und misst mit ihr die guten und schlechten Taten eines Menschen. Das Schwert wiederum schwingt er im Kampf gegen den Teufel. Der ist in der Kapelle dargestellt als sich unter Michaels Fuss krümmendes Geschöpf. Die braune Kolorierung der Haut würde man heutzutage sicher weglassen.
Die Kapelle in Mullwil, einem Weiler der Gemeinde Rickenbach LU.

Montag, 8. Januar 2024

Eine berühmte Emmentalerin

Am Samstag fotografierte ich am Bahnhof Bülach den Bildschirm
eines Billettautomaten. Im Ruhezustand zeigt er die berühmte SBB-Bahnhofsuhr.

Sumiswald im Emmental, Kanton Bern, brachte im 19. und 20. Jahrhundert immer wieder Uhrmacher hervor, die Pendulen, Kastenuhren und Standuhren von grosser Präzision fertigten. Habe ich letzten Donnerstag erzählt. Was ich hier nachtragen will: In Sumiswald gibt es heute noch einen Uhrenhersteller. Einen gewichtigen. Die Moser-Baer AG baut für Abnehmer in aller Welt High-Tech-Zeitmesser, die zum Beispiel in Kraftwerken oder Spitälern eingesetzt werden. Das Unternehmen wurde 1938 von Wilhelm Moser gegründet – schon 1947 landete es einen Coup. In Zusammenarbeit mit dem SBB-Ingenieur Hans Hilfiker entstand die berühmte Bahnhofsuhr mit dem Sekundenzeiger, dessen Form der Kelle eines Stationsvorstandes nachempfunden ist. Heute ist die SBB-Uhr ein Klassiker. Eine Schweiz-Ikone. Dass sie aus Sumiswald kommt: Also ich hatte das bis anhin nicht gewusst.