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Freitag, 11. August 2023

Die Lupe von Zermatt

Stütze eins der neuen Pendelbahn von Zermatt hinauf nach Furi. Mit Lupe.
Die Gondeln links gehören zur bestehenden Linie.

Vorgestern, bei der Talfahrt in der Gondelbahn von Furi nach Zermatt, sah ich bei der Winkelmatten, kurz vor der Talstation, einen neuen Mast mit einer ringförmigen Struktur obendrauf. Er ist Teil der neuen Pendelbahn Zermatt-Furi, die diesen Herbst starten soll und, so lese ich, mehr Komfort bringen soll. Auch soll es möglich sein, die Fahrt auf dem Kabinendach zu erleben, "mit dem frischen Fahrtwind im Gesicht", wie die Touristiker schreiben. Was den Ring auf der untersten Stütze angeht: Er spielt "Lupe", so die Ankündigung. Wer in der Bahn bergwärts fährt und durch den Ring schaut, sieht exakt auf das Matterhorn. Hm. Natürlich geht das auch ohne Ring. Aber bekanntlich ist Inszenierung heutzutage alles.

Donnerstag, 10. August 2023

Die Bahnklage

Der Bahnhof Bellinzona mit wohltuend leeren Perrons.
(Foto: Chris j wood / Wikicommons)
Am Montag reiste ich sehr früh nach Bellinzona, erledigte etwas und reiste am späten Vormittag wieder heim. Der Zug via Arth-Goldau nach Luzern war schon bei der Einfahrt in Bellinzona voll, ein Teil der Leute, die nun zustiegen, mussten wieder aussteigen, der Zugführer gab per Lautsprecher durch, man könne sonst nicht weiterfahren … Sicherheitsprobleme, es stünden zu viele Leute in den Gängen. Nun, die Komposition war auch erbärmlich kurz. Ich selber hatte mir grad noch einen Einzelplatz schnappen können, allein ist man flink und flexibel. Als ich später in Arth-Goldau Richtung Zürich umgestiegen war, klagte eine ältere Frau im nächsten Abteil dem Kondukteur, sie sei von Bellinzona bis Arth-Goldau auf dem Boden gesessen. Der Kondukteur riet ihr, das nächste Mal einen Sitzplatz zu reservieren. Worauf die Frau erwiderte, das habe sie ja getan, bloss sei ihr Platz besetzt gewesen, und die Person auf dem Platz habe sich geweigert, diesen freizugeben. Bahnfahren war auch schon schöner.

Mittwoch, 9. August 2023

Fluhen, Hügel und Weinberge

Die Burgruine Bischofstein. Die frühgotischen Spitzbogenfenster des
Wohnbaus sind Kopien, die Originale findet man im Heimatmuseum Sissach.
Gartenlandschaft bei Wintersingen.
Zwetschgenzeit.
Wir stiegen auf unserer Samstagswanderung von Sissach BL zuallerst auf zur Ruine Bischofstein, nahmen innerhalb des Gemäuers die Leiter auf den Burgturm, anrückende Ritterheere waren nicht zu sehen. Schön der seitliche Blick auf die uns bestens bekannte Sissacherflue. Wir hatten andere Fluhen auf dem Tagesprogramm, gingen zuerst die Böckterflue an, hielten dann hinüber zur Rickenbacherflue, um alsbald einen guten Teil der erkeuchten Höhe wieder preiszugeben im Abstieg über eine endlos lange Feuchteltreppe zur Rickenbacher Höchi. Was folgte, war eine Schlenderei durchs grüne Hügelland zum Tierpark von Buus, wo wir im Restaurant Waldgrotte sehr gut assen; von der Einkehr habe ich gestern erzählt. Der zweite Teil der Wanderung war nach dem Zmittag fast ebenso lang wie der erste. Zwischenziel war Maisprach, das geborgen in einer Talfalte liegt und von Weinbergen belagert wird, sodass ich mich neidvoll fragte, ob die auch noch etwas anderes tun als Wein machen und Wein trinken. Nun hätten wir auf dem Weg nach Rheinfelden auch noch den Sunneberg besuchen können, taten es freilich wider den Protest unseres Heimatbaselbieters nicht, wir nahmen mit der Bergflanke vorlieb. Auch so war es genug weit bis Rheinfelden: 5 1/2 Stunden bei 690 Metern aufwärts und 775 Metern abwärts. Ein wundervolles Zischen beendete dort die Unternehmung: Jawohl, es gab ein Büchsenbier vom Bahnhofskiosk.
Das von Weinbergen belagerte Maisprach.

Dienstag, 8. August 2023

Okra im Baselbiet

Mein Curry war sehr fein.

Im Restaurant Waldgrotte. Foto unten: die Terrasse.
Unsere Samstagswanderung führte uns von Sissach nach Rheinfelden, hier vorab etwas zum Zmittag an einem Ort, der uns allen sympathisch war. Wir assen im Tierpark von Buus, der ein wenig oberhalb des Dorfes liegt, das man schön im Blick hat. Genauer gesagt, spiesen wir im tierpark-eigenen Restaurant "Waldgrotte", dessen Karte überrascht, ich hatte ein Jaffna-Curry mit Gemüse, darunter Okraschoten. Und dazu ein örtliches Bier, ein "Buusner Bräu", das dem Brauer allerdings nicht wirklich gelungen war, man öffnete die Flasche, worauf es zu schäumen begann und nicht mehr zu schäumen aufhören wollte. Nun, wir stiegen um auf einen Roten aus der Gegend, aus Maisprach, eine Assemblage aus Cabernet Dorsa und Merlot. Der war wunderbar. Das Restaurant Waldgrotte schien im Dezember 2020 am Ende, Corona hatte ihm zugesetzt. Seit gut zwei Jahren ist es wieder offen, vom ehemaligen Betreiber haben seine zwei Töchter samt dem Ehemann der einen Tochter übernommen. Die machen das gut, geben sich Mühe. Und die zwei kleinen Buben der einen Tochter, die uns ihre neusten Spielzeuge zeigten, der eine eine Miniaturmotorsäge und der andere einen Miniaturrasenmäher, waren herzig. Ob die mal Förster und Gärtner werden? Oder doch Wirte im Familienrestaurant?
Blick vom Restaurant und dem Tierpark auf das Dorf Buus.

Montag, 7. August 2023

Etiez!

Das kleine Etiez (im Vordergrund) und das grosse Sembrancher auf der
anderen Seite des Flusses Dranse. (Foto: Olivier Bruchez / Wikicommons)
Der Weiler Etiez, Gemeinde Val de Bagnes, liegt an der Bahnstrecke von Martigny nach Le Châble; sein Name ("vous étiez", ihr wart) ist das Lösungswort zum gestrigen Sonntagsrätsel. War nicht einfach, und doch haben einige Leute die korrekte Antwort gefunden, ich gratuliere Marlise Brauchli, Betti Hildebrandt, Marianne Jeker, Rainer Fend, Stefan Brauchli, Christoph Schoch, H. Bardet, Monika Schlatter und Walter Falk.

Sonntag, 6. August 2023

Das Vergangenheitsrätsel

Hier wieder mal ein Sonntagsrätsel. Gesucht wird ein Weiler im französischsprachigen Teil unseres Landes, der mit einer Bahnstation ausgestattet ist. Wer ein wichtiges Verb der französischen Sprache in die Vergangenheitsform setzt, die zweite Person Plural wählt und das begleitende Personalpronomen streicht, hat den Namen des Weilers. Ich bin gespannt, wer drauf kommt, Lösungen bitte bis heute Abend acht Uhr an widmerwandertweiter@yahoo.de. Korrespondieren kann ich heute tagsüber nicht, bin unterwegs.

Samstag, 5. August 2023

Der Passschock

Auf dem Col de Chassoure, auf der Seite von Verbier. Im Vordergrund der Lac des Vaux.
Die Berge im Hintergrund säumen das Rhonetal nördlich.

Mondlandschaft mit Strassen am Col de Chassoure, ebenfalls auf der Seite Verbier.
Kurz vor Les Ruinettes, unten das Hangdorf Verbier.
Hinten leicht rechts der Mitte dunkel die kecke Spitze der Pierre Avoi.

Halb oben. Beschwerliche Geröllhalde
im Aufstieg von Tortin zum Pass, Rückblick.
Am Mittwoch zog ich von Tortin im Val de Nendaz über den Col de Chassoure hinüber nach Les Ruinettes, einer Gondelbahnstation in Verbier. Über den Jardin Japonais direkt am Weg, den ich in einer viertelstündigen Exkursion besichtigte, habe ich gestern geschrieben. Höher oben am Pass hatte ich dann Mühe mit der Kondition, es lag wohl daran, dass ich am Abend des 1. August zwar früh ins Bett gegangen, wegen des erbärmlichen Geknalles im ganzen Quartier aber lange nicht hatte einschlafen können, um dann früh um vier Uhr aufzustehen und den ersten Zug Richtung Wallis zu nehmen. Ich genoss den Aufstieg aber durchaus, arbeitete mich parallel zu einer ruhenden Gondelbahn tapfer die steile Geröllhalde hoch und musste dabei immer wieder mal die Hände einsetzen, im oberen Abschnitt war der Pfad von Steinen und Felsbrocken weitgehend verdeckt. Endlich war ich oben, 2743 Meter über Meer. Und erlitt gleich einen Schock, bei der riesigen Bergstation der Gondelbahn stand ein Auto. Irgendein Handwerker Pick-up. Auf der Seite von Verbier ist der Pass bis oben mit einer Servicestrasse erschlossen, die gekiesten Pisten, die ich nun vor Augen hatte und für den Abstieg nutzte, kamen mir unendlich hässlich vor. Und es wimmelte von Bauten und Anlagen des Wintersports. Gleichzeitig erfreute ich mich an der Landschaft, die doch viel Schönes bereithielt, da war direkt zu meinen Füssen der Bergsee Lac des Vaux, da war Verbiers kecker Hausberg Pierre Avoi, da war in einiger Ferne ein Gletscher, den ich nicht sicher benennen konnte, da war in der Tiefe das Val de Bagnes, durch das ich später nach der Talfahrt in der Gondel von Les Ruinettes hinab nach Le Châble wieder heimwärts reiste. Gut, mal eine Gegend bewandert zu haben, die ich kaum kenne.
(4 Stunden, 750 Meter aufwärts, 600 abwärts)