Gesamtzahl der Seitenaufrufe
Sonntag, 10. Dezember 2023
Das Geheimnis des Tuetisees
Wir kamen dem Tuetisee, auch "Tuetensee" genannt, gestern nicht wirklich nahe, sahen das Kleingewässer zwischen Menznau und Wolhusen im Kanton Luzern immerhin aus einiger Distanz von oben. Es birgt auf seinem Grund, in gut 14 Metern Tiefe, etwas ganz Besonderes. Nämlich ein Militärflugzeug. Am 8. März 1984 um circa 9 Uhr passiert der Unfall. Drei Hunter-Kampfflugzeuge, die in Dübendorf gestartet sind, üben im Luzernischen auf 7000 Metern Höhe den Luftkampf. Dabei berühren sich zwei Maschinen, sie stürzen beide ab, erfreulich, dass die Piloten den Schleudersitz aktivieren können, sie überleben ohne gröbere Verletzungen. Die eine Maschine bohrt sich knapp neben einem Bauernhof in den Boden. Und die andere stürzt in den trüb-moorigen Tuetisee. Bis heute ist sie nicht geborgen worden. So ein harmloses Seeli – und so eine wilde Geschichte.
Samstag, 9. Dezember 2023
Das Wort zum Samstag
Trowalisieren? Was zur Hölle ist das denn? Grad eben ging mir von einer Firma in Biberist, Kanton Solothurn, ein Mail zu, in dem das Wort vorkam. Ich schlug es nach. Es handelt sich um ein Schleifverfahren. Man gibt dabei Werkstücke, meist solche aus Metall, zusammen mit Schleifkörpern, den sogenannten Chips, in einen Behälter. Dieser wird in Rotation oder Schwingung versetzt, so kommt es zu einem Schleifeffekt. Willkommen in meinem Wortschatz, liebes Trowalisieren.
PS: Heute wird endlich wieder gewandert. Und zwar in der Gegend von Willisau. Ich hoffe, das Wetter benehme sich manierlich.
Freitag, 8. Dezember 2023
Aller guten Dinge sind vier
![]() |
| 18. Dezember 2010 zwischen Wädenswil und Menzingen, zwei Gehstunden vor dem Restaurant Sihlmatt, wo mein Grüppli das Weihnachtessen nahm. Dabei war auch der – mittlerweile verstorbene – Hund Emil. |
Vier Weihnachtsessen stehen in meiner Agenda. Das erste findet heute Abend statt, die Redaktion der "Schweizer Familie" wird in einem Lokal in Adliswil speisen, es gibt Roastbeef für die Fleischesser und gefüllte Zucchetti für die Vegis. Das zweite Festessen folgt mit einigem Abstand kurz vor Weihnachten, ich und mein Wandergrüpplein werden in der Gegend zwischen der Reuss und Baden wandern und dann in Fislisbach znachten, der Anlass hat Tradition, 2009 fand unser erstes Grüpplein-Weihnachtsessen statt. Bleiben Essen Nummer drei und Nummer vier. Die führen mich ins Appenzellerland zur Familie, die sich am Heiligabend in einer Wohnung in Teufen und einen Tag später in veränderter Zusammensetzung in einem Restaurant ebenfalls in Teufen trifft. Mir schwillt nur schon beim Gedanken an all die guten Dinge, die auf mich warten, der Bauch.
Donnerstag, 7. Dezember 2023
Zürich gewinnt
![]() |
| Zürichs erster Bahnhof im Jahr 1847, gemalt von Johann Baptist Isenring. (Wikicommons) |
Welches ist der beste europäische Bahnhof? Das "Consumer Choice Center", eine amerikanische Konsumentenorganisation, hat zum vierten Mal 50 Bahnhöfe in Europa ausgewertet, zur Analyse herangezogen wurden Berichte nationaler Behörden, Statistiken, Bahnhofslayouts, eigene Forschungsergebnisse, es ging um Dienste im Bahnhof, etwa Ticketschalter, WCs, Restaurants, Kioske, aber auch um Zugänglichkeit, Anbindung an lokale Verkehrsmittel, Verfügbarkeit von Zügen und so weiter. Der Spitzenreiter im Europäischen Bahnhofsindex 2023 ist ... jawohl, der HB Zürich, dem ich schon gestern einen Eintrag widmete. Es folgen auf den Rängen zwei bis fünf der Hauptbahnhof Wien, der Bahnhof Bern sowie der Hauptbahnhof Berlin (geteilter dritter Rang), Utrecht Centraal und der Hauptbahnhof Frankfurt. Und welches ist der mieseste unter den 50 europäischen Bahnhöfen? Der Hauptbahnhof Bremen.
Mittwoch, 6. Dezember 2023
Im Süden viel Neues
Kein Gebäude in Zürich ist mir näher als der HB. Er ist der Ort, von dem ich abreise, der Ort, an dem ich ankomme, der Ort, an dem ich mich verabrede, der Ort, an dem ich einkaufe, der Ort, an dem ich esse. Und all das immer und immer wieder. Fünf Jahre lang dauerten die Umbauarbeiten im der Bahnhofstrasse zugewandten, von 1871 stammenden Südtrakt, nun öffnen die ersten Geschäfte, einiges ist neu, gestern Nachmittag schauten wir uns zu dritt um und stellten fest, dass wir nicht allein waren, viel neugieriges Volk war unterwegs. Unsereins trank in der neuen"Brasserie Süd" einen – wir wusssten dort nicht so recht mit unseren Gefühlen umzugehen. Schön war die hohe Decke, beengend irgendwie die Unterteilung und Möblierung des Raumes, überkandidelt die Kostüme des Servicepersonals. Ich kann das grad nicht stringenter erzählen, conflicting emotions, wie gesagt. Auch sind da weitere Lokale zu testen. Und all das ändert ohnehin nichts daran: Kein Gebäude in Zürich ist mir näher als der HB.
Dienstag, 5. Dezember 2023
Katastrophenkunst
![]() |
| Unweit der Alten Aare erinnert in Lyss das Kunstwerk "Naufrage Moment mal re garde" an das Schiffsunglück, bei dem im 17. Jahrhundert 111 Menschen starben. Hinten rechts die Infostele. |
Am 5. September 1687 kommt es auf der Aare, heute "Alte Aare", bei Lyss im Berner Seeland zu einem Schiffsunglück, das bis heute als das grösste dokumentierte im Land gilt. Zwei zusammengebundene Weidlinge fahren von Aarberg Richtung Büren, sie sind völlig überladen. Der eine Weidling rammt einen Baumstrunk, kentert. Die Menschen im Wasser wollen sich auf den anderen Weidling retten, worauf dieser auch kentert. Am Ende sind 111 der insgesamt 137 Passagiere und Passagierinnen tot. Um Hugenotten und Hugenottinnen handelt es sich, Reformierte, die vor der Unterdrückung im katholischen Frankreich des "Sonnenkönigs" Ludwig XIV. geflohen sind. Am Oberen Aareweg in Lyss erinnern eine Kunstinstallation sowie eine Infostele an den Vorfall ganz in der Nähe am Wasser; an dieser Stelle führt auch der Weitwanderweg "Auf den Spuren der Hugenottinnen und Waldenser" von Frankreich über die Schweiz nach Deutschland durch (die Waldenser sind eine andere Gruppe von Protestanten, die damals auf der Flucht waren). Unlängst war ich vor Ort, dies, weil ich einen Artikel darüber schreiben will, wie die hugenottische Einwanderung unser Land geprägt hat.
Montag, 4. Dezember 2023
Wo blieben die Berner?
![]() |
| Das Zwingli-Denkmal 15 Gehminuten nördlich von Kappel. Es erinnert an den Tod des Reformators in der Schlacht. |
Die Berner kamen 1531 zu spät zur Schlacht bei Kappel am Albis im Züribiet. Das reformierte Zürich musste allein kämpfen und unterlag den Katholiken der Innerschweiz. Ist das ein besonders skandalöser Beleg für die sprichwörtliche Berner Langsamkeit? Nun, nicht zwingend. Mit den Bernern waren die Solothurner, damals zu einem guten Teil reformiert, unterwegs Richtung Kappel – und man liest bisweilen, sie hätten die Berner gezielt gebremst. Den Anmarsch verzögert. Um die Theorie auszuführen: Die Solothurner profitierten besonders stark von der Vermittlung eidgenössischer Söldner an den französischen König, Solothurn war ja auch die Schweizer Stadt, in der der französische Botschafter residierte. Zwingli aber wollte das Söldnerwesen abschaffen. Am Ende lag er tot auf dem Schlachtfeld bei Kappel. Die säumigen Berner wiederum besetzten kurz darauf das nicht allzu weit entfernte, im Aargau gelegene Kloster von Muri und richteten dort massiven Schaden an. Der Kreuzgang wurde drei Jahre später vollständig neu gebaut. Danach entstanden in ihm jene Renaissance-Glasgemälde, die uns Heutige begeistern. Langsamkeit ist eine mehrdeutige Sache. Sie kann schaden, sie kann nützen.
Abonnieren
Posts (Atom)









