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Freitag, 7. Mai 2021

Mein neues Buch


Ich habe ein Buch geschrieben. Es ist die Antwort auf Corona. Oder genauer: eine Reaktion auf Corona. Gern erkläre ich das. Im März des letzten Jahres kam der Lockdown, und mir wurde klar, dass ich in den nächsten Monaten viel Zeit daheim im Home Office verbringen würde. Man solle sich stillhalten und nicht unnötig im Land herumreisen, hiess es auch. In jenen Tagen im Frühling 2020 fand ich: Du musst etwas tun, Widmer, du musst etwas tun gegen all die Lockdown-Gefahren von Verblödung bis Depression. Und ich beschloss, ein Buch zu schreiben. Nämlich ein ABC mit Wörtern, wie sie mir beim Wandern oder in der Zeitung oder sonst beim Lesen auffallen. Wörtern, wie ich sie manchmal in diesem Blog bringe, Wörtern, wie ich sie bisweilen in der "Schweizer Familie" vorstelle, Wörtern wie ich sie neuerdings in der Kolumne "Auf ein Wort" im "Magazin" behandle. Das daraus entstandene Buch ist ein Wagnis, denn es weicht von dem ab, was meine früheren Bücher ausmachte, die stets mit Wandern im engeren Sinn zu tun hatten ("Zu Fuss"-Trilogie) oder doch mit Dingen am Wanderweg ("Schweizer Wunder" und "Hundertundein Stein"). Diesmal geht es um Sprache. Immerhin ist da wie bei den Wanderbüchern die Schweiz als Klammer, denn die Wörter, die ich sammelte, haben allesamt irgendwie mit diesem Land zu tun. Also, ich bin gespannt, wie mein neues Buch ankommt. Es ist jetzt grad in der Druckerei und soll Mitte bis Ende dieses Monats vorliegen, man kann es auf echtzeit.ch bestellen, Ich freue mich über alle, die das tun oder überhaupt Interesse zeigen. Ah ja, den Titel sollte ich noch nennen. Das Büechli, witzig illustriert von Till Lauer, heisst "Mein Wortschatz".

Donnerstag, 6. Mai 2021

Der Amerikanerblätz

Es gibt an mehreren Orten im Land den Flurnamen "Amerika". Laut einem Artikel im "Schweizer Bauer" wurden so Orte benannt, die weit vom jeweiligen Dorf entfernt lagen und lange nicht erschlossen waren. "Amerika" gleich "Neuland". Eine andere Deutung liefert die Expertin, die den Artikel verfasst hat, für den "Amerikanerblätz" in Hägendorf im Kanton Solothurn. Von dort wanderten 1854 insgesamt 128 mittellose Leute nach Amerika aus, die Gemeinde hatte Druck aufgesetzt, um sie loszuwerden. Auf dem Amerikanerblätz sollen die Emigrantinnen und Emigranten auf die Pferdewagen gewartet haben, die sie abtransportierten.

Halt, kann das sein? Hägendorfs Amerikanerblätz liegt ausserhalb des Ortes, hoch am Hang, am Rand des Waldstückes Schleipfrain. Warum hätten die Auswanderer dort die Abreise antreten sollen, warum nicht im Dorf? Unmöglich ist das nicht. Auf ortsnamen.ch finde ich allerdings eine zweite Deutung, die mir mindestens so plausibel erscheint. Demnach hatte sich die Gemeinde stark verschuldet, indem sie die Reisekosten der Auswanderer bezahlte. Zur Tilgung der Schulden liess sie eine Waldfläche abholzen und die Stämme auf der Allmend zum Verkauf auslegen. Die abgeholzte, später wieder aufgeforstete Fläche hiess fortan "Amerikanerblätz".

Mittwoch, 5. Mai 2021

Waulking, nicht Walking

Vor vielen Jahren reiste ich zu den Äusseren Hebriden, einer schottischen Inselgruppe. Ich besuchte damals unter anderem die Insel Lewis and Harris, von der der Harris Tweed stammt, und kaufte mir selber ein Jackett aus dem Stoff. Ich habe es immer noch. Gestern nun stiess ich auf Youtube zufällig auf einen Film von 75 Sekunden. Er zeigt Frauen auf Harris und ihren traditionellen waulking song. Nein, nicht walking song, das wäre ein Wanderlied, wohingegen es hier um ein Lied geht, das die dortigen Frauen traditionell  beim Walken von Textilien, etwa Harris Tweed, sangen. Die Aufnahme ist 80 Jahre alt. Mittlerweile wird der Tweed längst mit industriellen Methoden von Öl und Schmutz befreit. 

Dienstag, 4. Mai 2021

Airolo wächst

Im Dezember war ich in Airolo. Hier das Gemeindehaus.

Vor fünf Monaten schrieb ich in meinem Blog darüber, wie der Bau der zweiten Gotthard-Strassentunnel-Röhre Göschenen verändert und verändern wird. Gestern nun las ich einen Artikel darüber, was auf der anderen Seite des Berges, in Airolo, ansteht. Dort werden ab 2022 rund 300 Tunnel-Arbeiter für mehrere Jahre in einem derzeit leerstehenden Hotel untergebracht. Auch soll mit dem Aushubmaterial der Röhre die Autobahn kilometerweit überdeckt werden. Auf dem so gewonnenen Gelände entsteht Platz für neue Gebäude wie eine Turnhalle und eine Wellness-Anlage. Sowie für einen Naturpark inklusive See. Im Winter wird man dort langlaufen können – Airolo im Wandel.

Montag, 3. Mai 2021

Wow!

Ich geriet in Schräglage.

Seit dem letzten Juni gibt es in Zürich das Wow-Museum. Es ist ganz auf die Instagram-Generation zugeschnitten. Wobei: Als ich es mit meinem Göttibub besuchte, hatte auch ich (58) viel Spass. Auf 400 Quadratmetern hagelt es in clever gebauten Räumen optische Täuschungen, wobei Spiegel eine grosse Rolle spielen. Wer das erleben will, braucht ein Smartphone, denn die Erklärungen zu den einzelnen Stationen werden per QR-Code vermittelt. Und mancherorts sind Kameras installiert, die einen in kurioser Lage fotografieren und einem die Bilder über das hausinterne WLAN aufs eigene Handy beamen. Nirgendwo anders macht man sich so viele Illusionen wie im Wow-Museum.

Sonntag, 2. Mai 2021

Rock in der Forchbahn


Die Forchbahn, die von Zürich-Stadelhofen via Zollikerberg (mein Wohnort), Zumikon, die Forch und Egg nach Esslingen fährt – diese gute alte Vorortsbahn, auch "Frieda" genannt, ist für mich der Inbegriff eines behäbigen Unternehmens: vierschrötige Angestellte, semikomfortables Rollmaterial ohne neumodische Dinge wie z.B. Steckdosen oder gar W-LAN. Aber auch eine gute Portion Verlässlichkeit und Pünktlichkeit. Die Stellenausschreibung, die im Waggon grad hängt, finde ich doof. Die Forchbahn rocken? Das aufgekratzte Deutsch passt nicht.

Samstag, 1. Mai 2021

Am 5. September 1882 fuhr es los

Am Anfang der Zürcher Strassenbahn, lernte ich diese Woche im Tram-Museum Zürich, stand das Rösslitram. Am 5. September 1882 nahm es den Betrieb auf; es verkehrte vom Tiefenbrunnen zum Bahnhof und dann zum Paradeplatz. Später wurden weitere Strecken in Betrieb genommen. 1898 gehörten zum Rösslitram 40 Wagen und 208 Pferde. Doch das Ende war bereits nah: 1900 wurde umgestellt auf Strom. Ob die Pferde eine Pension erhielten, weiss ich nicht.