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Dienstag, 21. November 2023

Der Draufgänger vom Hauenstein

Der "Ochsen" in Langenbruck mit der Bider-Gedenktafel.

An der Fassade des "Ochsen" in Langenbruck, dem Passdorf am Oberen Hauenstein, sahen wir letzten Samstag eine Tafel. Sie hält fest, dass in dem Haus am 12. Juli 1891 Oskar Bider geboren wurde. Der Name war mir knapp bekannt, ein Fliegerpionier. Ich schlug die Lebensgeschichte nach und war vor allem schockiert darüber, dass der Mann schon mit 27 Jahren verstarb. Er war ein ziemlicher Draufgänger. Machte eine Landwirtschaftsausbildung, verbrachte nach der RS ein Jahr als Gaucho in Argentinien, liess sich 1912 beim berühmten Blériot in Frankreich zum Piloten ausbilden und erlangte ein Brevet. Auf einen Schlag berühmt wurde Oskar Bider, als er kurz darauf als erster Flieger überhaupt die Pyrenäen überquerte. Es folgte die erste Alpenüberquerung hin und zurück sowie der Direktflug von Paris nach Bern. Im Ersten Weltkrieg bildete Bider mit einem Grüppli anderer Pionierpiloten die neugeschaffene Fliegertruppe der Schweiz, deren Chef er war. Am 7. Juli 1919 dann das Ende: Oskar Bider führte in Dübendorf akrobatische Flugmanöver vor und stürzte ab.
Leutnant Oskar Bilder (links) während des Ersten Weltkriegs in Dübendorf
mit ein paar Piloten-Anwärtern.  (Swiss Federal Archives / Wikicommons)

Montag, 20. November 2023

Solothurner Teufelei

Stege und ...
... Höhlen und ...
... Wasserfälle gehören zur Teufelsschlucht bei Hägendorf SO.
Unser Ausgang aus der Schlucht Richtung Sandloch und Santelhöchi.

Wer viel wandert, kennt die Teufelsschlucht. Wobei gleichzeitig der Satz gilt: Er bzw. sie lernt die Teufelsschlucht bei jeder Wanderung neu kennen und kennt sie insofern nie ganz. Mir erging es so, als wir am Samstag wieder einmal von Hägendorf bei Olten aus die Schlucht hinaufzogen. Alles kam mir unbekannt vor. Anders. Lags am vielen Wasser, das die Wasserfälle und den Schluchtbach spies? Möglich. Auf jeden Fall war unser Wanderquartett angetan. Was auch für die anschliessende Route gilt: Wir verliessen die Schlucht nach gut zwei Dritteln ihrer Länge, gingen durch den Hänsenbrünnlirain-Wald, kamen zur Santelhöchi. Entschieden uns dort, der Rutschigkeit des nassen Kalksteins zum Trotz zur Höchi Flue aufzusteigen. Das lohnte sich, auch wenn wir – viel mehr noch gilt das für den folgenden Abstieg – aufpassen mussten. Wir sahen auf der Flue im Gewölk knapp den Alpenkranz und sahen tief unter uns den breiten Boden des Dünnerntales. Gut! Bald darauf erreichten wir den abgelegenen Weiler Bärenwil, waren somit nicht mehr im Solothurnischen, sondern im Baselbiet. Im Restaurant Chilchli assen wir sehr gut. Als wir gegen zwei Uhr wieder ins Freie traten, regnete es sanft, und so steuerten wir die nächste ÖV-Haltestelle an, also Langenbruck; eine Dreiviertelstunde nur dauerte das. Voll von Eindrücken, reisten wir heim – und ich freue mich auf eine nächste Begegnung mit der Teufelsschlucht. (3 Stunden, 20 Minuten. 620 Meter aufwärts, 335 Meter abwärts)

Höchi Flue, Blick zu den Alpen.

Sonntag, 19. November 2023

Charmantes Abseits

Bärenwil, das sind wenige Häuser. Der Dachreiter mit der Glocke markiert das Restaurant Chilchli.
Das "Chilchli" aus der Nähe.

Bärenwil gehört zu Langenbruck, dem Passdorf am Oberen Hauenstein, liegt aber ganz für sich. Das erste, was wir im Wald hörten, bevor wir den Ort unterhalb sahen, war ein Glöcklein, das grad läutete. Dazu passt der Name des Restaurants, das wir in Bärenwil bald erreichten: "Chilchli". Mit dem Namen hat es folgende Bewandtnis: Bärenwil wollte dem 1832 gegründeten Kanton Basel-Landschaft nicht beitreten, anders als die Gemeinde Langenbruck. Die Stadtbasler revanchierten sich für die Loyalität, indem sie einen Pfarrer nach Bärenwil abordneten. Das Haus, in dem dieser wohnte und predigte, das heutige Restaurant Chilchli, bekam 1833 einen Dachreiter mit Glocke aufgesetzt. Aber das sind historische Reminiszenzen, längst ist ja auch Bärenwil dem Baselbiet angeschlossen. Was wir gestern bei der Einkehr am Mittag viel mehr schätzten als die geschichtliche Anekdote, war erstens der Schwedenofen, der eine behagliche Wärme verbreitete. Zweitens der freundliche Service. Und drittens die sehr gute Küche. Wir wollen da wieder hin, dies umso mehr, als der winzige Weiler charmant abseitig in einer Jurafalte liegt. Man kann ihn aus allen möglichen Richtungen auf allen möglichen Pfaden ansteuern.
In der Gaststube. Sie war am Mittag gut voll.
Ich fotografierte darum erst um 14 Uhr.

Kommt der Gast klamm, wird ihm schnell warm.

Samstag, 18. November 2023

Riad wandert

In Riad, 6,9 Millionen Einwohnerinnen
und Einwohner, wird neuerdings gewandert.
(Foto: Diken81/Wikicommons)
Hassan al-Felo
Saleh al-Ansar
Abdul Karim al-Saghir
Mohamed al-Ruwaili
Nasser al-Balawi

Sie sind die fünf originalen "Riyadh Walkers". Jene Männer, die vor einiger Zeit eine Wandergruppe gründeten. Und damit offenbar in der saudischen Hauptstadt Riad einen kleinen Trend auslösten. Jedenfalls gibt es dort mittlerweile, so ein Artikel in der Zeitung "Arab News", über 20 solcher Gruppen mit ingesamt 1000 Leuten, die sich per WhatsApp verabreden und in der Abenddämmerung losziehen. Oder auch am Morgen. Ihr Ziel: pro Monat 150 Kilometer gehen und so die eigene Gesundheit pflegen. Respekt, lieber Hassan, lieber Saleh, lieber Abdul Karim, lieber Mohamed und lieber Nasser – diese Distanz schaffe ich nicht jeden Monat. Obwohl die Luft bei uns besser ist und die Temperaturen pfleglicher.

Freitag, 17. November 2023

Der Heli und die Kirche

Am Montag fotografierte ich in Lyss im Berner Seeland die reformierte Kirche. Gleichzeitig fiel mir ein Ereignis aus den 1990er-Jahren wieder ein. Am Nachmittag des 2. September 1992 stürzte ein Helikopter auf die Kirche, der 71-jährige Pilot, der in Bern-Belp gestartet war, starb; Gott sei Dank waren weder die Schule noch das Altersheim ganz in der Nähe tangiert. Die Kirche von 1935 allerdings, die Feuer gefangen hatte, war schwer beschädigt, ihre Erneuerung dauerte drei Jahre. Die Unfalluntersuchung ergab später: "gesundheitliche Probleme des Piloten, eventuell verbunden mit einer Bewusstseinsstörung". Ich erinnere mich bestens an den Unfalltag, ich wohnte damals in Bern und war auf der Redaktion der "Berner Zeitung" am Arbeiten. Selber ausrücken musste ich aber nicht.

Donnerstag, 16. November 2023

Die Sache mit dem Wallholz

Am Dienstag kam ich von der Arbeit heim, draussen regnete es brutal, drinnen wars gemütlich. Ich fand, dies sei der Moment, endlich einmal selber Pasta zu machen, vor Wochen hatte ich mir das vorgenommen und ein Grundrezept von Annemarie Wildeisen heruntergeladen. Einfache Sache, 100 Gramm Mehl, ein Ei, ein bisschen Salz vermengt und schön geknetet. Nun, da gabs ein kleines Problem, der Teig war viel zu trocken. Ich gab ein wenig Olivenöl und ein wenig Wasser bei, gleich gings besser, ich knetete weiter. Nach gut fünf Minuten schien mir der Teig parat. Ich formte eine Kugel, wickelte sie in Plastikfolie, legte sie 30 Minuten in den Kühlschrank, wallte den Teig dann ... huch, ich stellte fest, dass ich kein Wallholz besitze. Kein Problem. Ich nahm eine leere Weinflasche, die tats bestens, bald hatte ich den Teig schön ausgerollt. Ich faltete ihn von beiden Seite zur Mitte, nahm ein Messer, schnitt, fertig waren meine Nudeln, eine Art schmale Pappardelle. Sie schmeckten gleich darauf, mit viel Butter und ein bisschen Parmesan zwei Minuten gekocht, ausgezeichnet. Ich war sehr stolz. Am selben Abend bestellte ich mir im Internet ein Wallholz.

Mittwoch, 15. November 2023

Das Zwei-Rosen-Restaurant

Rapperswils Rathaus mit dem Stadtwappen.
Dasselbe Motiv, zwei Rosen, im Hausinnern.

Meine Vorspeise, die Bouillabaisse.
Am Hauptplatz von Rapperswil steht das Rathaus, gebaut um 1470. Als ich am Sonntag die Fassade musterte, stach mir grad sofort das Stadtwappen ins Auge, zwei rote Rosen, Rapperswil wird ja auch "Rosenstadt" genannt. Gleich darauf betrat ich das ehrwürdige Haus, und wer nun meint, ich hätte eine Besichtigung des Gebäudes im Sinn gehabt, täuscht sich. Nein, essen wollte ich, das "Rathaus" ist heutzutage ein Restaurant. Eines, das drei Jahre lang geschlossen war, Anfang Oktober wieder öffnete und seither für seine bürgerlich-gehobene Küche viel Lob bekommt. Ich kanns bestätigen, die können kochen, ich und S., eine Einheimische, waren sehr zufrieden mit dem, was wir von Kürbissuppe über Bouillabaisse bis Kalbsgeschnetzeltes vorgesetzt bekamen. Und der Service in Gestalt einer jungen Slowakin war herzlich und flink und das Ambiente angenehm. Im ersten Stock ist übrigens ein 500 Jahre altes Gemälde auf Holz zu betrachten, eine Supraporta, eine vormals über einer Tür angebrachte Schmucktafel. Dem Motiv war ich kurz zuvor im Freien begegnet ... die Rapperswiler Rosen. Dieser Restaurantbesuch war also sehr wohl auch eine Historientour.