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Samstag, 3. Januar 2026

Hütet euch in Visp (II)

Wichtiger Umsteigeort: der Bahnhof Visp.
(Foto: Daniel Reust / Wikicommons)
Unter dem Titel "Hütet euch in Visp" schrieb ich hier vor langem, dass die Perrons des Visper Bahnhofs und auch die Abgänge in die Unterführung eng sind – zu eng angesichts der Massen von Menschen, die hier in Stosszeiten umsteigen. Vor gut zwei Wochen gabs einen Zwischenfall, der das belegt. Der Walliser Onlinedienst pomona.ch berichtete darüber, wie ein älterer Mann auf dem Perron in Visp im Getümmel von einem Rollkoffer derart heftig gerammt wurde, dass er aufs Gleis stürzte. Umstehende Reisende hievten ihn wieder auf sicheren Boden, kurz darauf fuhr auf diesem Gleis der Zug nach Genf ein. Der Mann, stellte sich heraus, hatte sich beim Sturz einen Milzriss mit starken inneren Blutungen zugezogen, er musste notoperiert werden. "Zwischen Treppenaufgängen, Rollkoffern und entgegenkommenden Personengruppen wird es eng – manchmal gefährlich eng", steht im Artikel zu lesen. Genauso ist es.

Donnerstag, 21. März 2024

Bad News aus Frutigen

Chili made in Frutigen BE gibts bald nicht mehr.
(Foto: Phzh/Wikicommons)
Beim Bau des Lötschberg-Basistunnels der Bahnverbindung von Frutigen nach Visp trat im Untergrund warmes Wasser aus. Ein Projekt musste her, den nicht versiegenden Strom zu nutzen, so kam es zum Tropenhaus Frutigen, einer 2009 eröffneten Erlebniswelt mit Fischzucht, exotischen Gewächsen von Chilischote über Banane bis Papaya sowie Restaurant; dank der Störe produziert man mitten in den Alpen gar Kaviar. 15 Jahre später ist der Betrieb praktisch am Ende, die Besitzerin Coop hat diese Woche bekanntgegeben, das Tropenhaus (Slogan: "Ihre Oase im Berner Oberland") im Mai aus wirtschaftlichen Gründen zu schliessen. Einzig die Fischzucht soll weitergeführt werden. Für Frutigen ist das hart, der Ort verliert seine Touristenattraktion, und 40 Stellen gehen verloren.

Mittwoch, 2. August 2023

Die lange Reise zur Wanderung

Abfahrt 5 Uhr 22 in Zollikerberg, Forchbahn
Zürich Stadelhofen, S-Bahn
Zürich, Intercity
Bern, Intercity
Visp, Interregio
Sion, Bus
Haute-Nendaz, bif. Le Déserteur, Bus
Siviez, Super-Nendaz, Sessellift
Ankunft circa 10 Uhr 20 in Tortin, Talstation Bahn Col des Gentianes

Uff, was für eine Reise. Fünf Stunden muss ich heute fahren, bis ich wandern kann. Lohnt sich das? Ich denke schon. Man kann sich ja nicht immer in der Nähe des Wohnortes bewegen. Und es lässt sich im Zug und Bus Gemütliches tun. Schlafen zum Beispiel, käfelen, Zeitung lesen, ein Buch lesen. Das gilt natürlich auch für die Heimfahrt gleichentags am Abend. Der Bericht über meine Walliser Exkursion folgt morgen. Oder übermorgen. Je nachdem, wann ich heute zuhause ankomme.

PS: Ging gut gestern mit der 1.-August-Rede in Stein. Mehr möchte ich hier nicht sagen, ich kann und will nicht mich selber rezensieren. 

Ob ich in Nendaz Granatäpfel vorfinden werde,
wie sie das Wappen der Gemeinde zeigt? On verra.

Dienstag, 25. Januar 2022

Halb Sterne, halb Stier

Saas-Fee gestern Nachmittag, fotografiert vom Hotelbalkon.

Wallis und Uri im Mix.
Saas-Fee ist grad noch im Januarloch, gemütlich fühlt sich das an, im Bus bei der Anreise von Visp sassen gestern Mittag etwa sechs Leute. Und die Dorfstrasse war dann fast leer. Am Nachmittag machte ich nach der Ankunft eine zweistündige Winterwanderung vom Zentrum zum Restaurant Gletschergrotte und retour, das waren je 280 Meter auf- und abwärts. Eine gute Einstimmung war das. Heute soll es mit der ersten Bahn nach Mittelallalin gehen zum Frühstück auf 3457 Metern über Meer. Danach wird, sobald ich wieder unten bin, am Sonnenhang über dem Dorf gewandert, die Hannigalp steht auf dem Programm. Nun noch etwas zum Restaurant Gletschergrotte. Auf der Homepage (Screenshot links) sieht man ein Halb-Halb-Wappen: links Walliser Sterne, recht der Uristier. Der Wirt löste das Rätsel gern auf. Er sei Urner, er komme aus Attinghausen, erklärte er nicht ohne Stolz.

Donnerstag, 20. Januar 2022

Baltschieder Schilthorn?

Hoch über dem Rhonetal. Links unten Visp. Von der Bildmitte aufsteigend das Baltschiedertal.
Am Horizont knapp links der Mitte das Bietschhorn. Ganz rechts das Gärsthorn und links daneben
das Baltschieder Schilthorn. Rechts unten Blogger Widmer (mit roter Mütze).
Höher oben wars doch winterlich.
Das herangezoomte Matterhorn.
Viel Schnee lag nicht. Und so war unsere Winterrunde mit Start und Ziel beim Busterminal von Visperterminen auch eine Herbstwanderung. Schön war sie auf jeden Fall. Vor allem wegen der hohen Berge rundum. Klein und herzig kam uns das Matterhorn vor. Riesig das Bietschhorn, der Knapp-kein-Viertausender (3934 Meter) im Norden. Nie zuvor gehört hatten wir vom Baltschieder Schilthorn, das etwas zurückversetzt hinter dem Gärsthorn stand wie ein frecher kleiner Bruder. Berge sind faszinierend. Sie sind Persönlichkeiten. Als wir nach dreieinhalb Stunden wieder in Visperterminen anlangten, kehrten wir im Hotel bei der Giw-Sesselbahn ein. Das Hotel hiess Rothorn. Grad wieder ein Horn!

Mittwoch, 19. Januar 2022

Gliederparade in Visperterminen

Gestern drehten wir in Visperterminen hoch über Visp eine Runde. Nach zwei Stunden kamen wir im steilen Bawald zu einem Abzweiger vom Winterwanderweg. Der Abwärtspfad war kurz mal unangenehm rutschig und vereist. Riesig erschien vor uns im Schattenhang alsbald die Waldkapelle. Wir traten ein, eiskalt wars im Inneren. Die nachgebildeten Körperglieder, die an einer Wand hingen, faszinierten mich und stiessen mich ab. Archaisch kam mir das vor. Um Ex-Voto-Gaben von Geheilten handelt es sich. Der Brauch besteht darin, dass man – zum Beispiel – nach einem überstandenem Fussleiden einen Fuss aus Ton, Holz oder anderem Material deponiert und so der Gottesmutter und anderen Heiligen für den Beistand in der Krise dankt. Ich fand die Gliederparade schockierend und berührend zugleich.

Samstag, 7. November 2020

Finnen und sein Galgen

Das Foto habe nicht ich gemacht, sondern Ronja, die eben in Finnen durchkam, einem Walliser Dorf hoch am Hang nördlich von Visp. Dort steht noch der Galgen als Zeichen einstiger Gerichtsbarkeit. Als letzte Delinquenten wurden an ihm 1796 zwei Schafdiebe aus dem nahen Mund gehängt, ein Vater und ein Sohn, verurteilt vom Freigericht.

Dienstag, 20. Oktober 2020

Unser Walliser Samstag

Auf dem Höhenweg zwischen Eggerberg-Eggen und Brich.

In der Ferne sahen wir das Matterhorn.

Schwarz um die Nase.
Das Minipostauto von Visp auf den Eggerberg war am Samstag völlig überfüllt, die Leute standen eng beieinander - ärgerlich, dass die örtlichen Postautöler nicht einen zweiten Bus in Reserve hielten, denn aufgrund der Wetterprognose (Sonne im Süden der Schweiz) war seit Tagen klar, dass am Wochenende viel Volk im Wallis unterwegs sein würde. Coronamässig war das jedenfalls blödsinnig, auch wenn alle brav die Maske trugen. Nun, der Rest war Freude. Von Eggerberg-Eggen hielten wir auf einem Höhenweg quer durch den Steilhang nach Brich, stiegen auf zum unverschandelten Holzhausweiler Bodmen und stiegen ab nach Mund. Dort widmeten wir uns, siehe Blogeintrag von gestern, dem Safran. In einem zweiten, längeren Abstieg passierten wir nach dem Zmittag Safranfelder, sonnengeschwärzte Stadel, rührende Schwarznasenschaf-Babys und erreichten kurz vor Brigerbad die Lötscherg-Zuglinie. Etappe drei war vollends grandios: Auf dem Wanderweg der Lötschberger Südrampe gingen wir nach Brig, nahmen dabei Granittreppen aufwärts und abwärts, freuten uns über die geländergesicherten Passagen mit abruptem Tiefblick, folgten eine Zeitlang dem munter plätschernden Wässerli einer Suone. In Brig waren wir müde. Und sehr zufrieden mit dem Tag. 

Route: Eggerberg-Eggen - Burg - Howang - Brich - Bodmen - Lengmatta - Mund - Furustadel - Unter Warbflie - Haltjini - Driesta - Rossegga - Rhonebrücke bei Naters - Brig, Bahnhof. 6 Stunden. 905 Meter aufwärts, 1260 abwärts.

Suone an der Lötschberger Südrampe.
Das Wanderende ist nahe, wir sehen den Bahnhof von Brig.

Montag, 1. April 2019

Kanal, Kapelle, Krokusse

"Grosse Wasserleite" zwischen Niedergampel und Gampel, Blick zurück.
Jeizinen voraus

Die Sonnengeniesserin von Bratsch.
Schön und heiss wars am Samstag im Oberwallis. Wir starteten bei der Station Turtmann, folgten vorerst der Rhone, hielten durch Niedergampel zur Suone "Obere Wasserleite", die in geringer Höhe durch Reben und Fels hinüber nach Gampel zieht. Bald erreichten wir die Kapelle "zu den spitzen Steinen". Es folgte ein anstrengender Aufstieg in vielen Kehren durch den knochentrockenen Hang hinauf nach Jeizinen. Dort assen wir im Restaurant Park Jeizinen zu Mittag. Um dann via Engersch und Bratsch wieder abzusteigen auf stellenweise arg steilen Pfaden nach Turtmann (je 950 Meter auf und wieder ab, 5 1/2 Stunden). Schnee sahen wir übrigens erst auf 1500 Metern, also knapp vor und nach Jeizinen, es waren bloss noch einzelne Flecken. Ich hatte mir die besonnte Flanke von Jeizinen vergangenen Winter vorgemerkt, als ich im Zug von Visp nach Sion reiste, schon damals war sie mehr oder minder aper gewesen. Was uns am Samstag besonders viel Freude bereitete: die Krokusse am und auf dem Weg.
Vormittag: Die Strasse von Gampel nach Goppenstein.
Nachmittag: Die Strassenbrücke Getwing - Turtmann über die Rhone. 

Montag, 25. Juni 2018

Der Mann, die Nische, die Bahnpolizei

In diese Nische quetschte er sich. Links der Arm von Ronja.
Am Freitag fuhren wir erster Klasse nach Visp, ich hatte einen Klassenwechsel gekauft, Ronja hat das Erstklass-GA. Ab Bern war der Waggon, der hinterste des ganzen Zuges, leer bis auf uns. Ein Typ kam rein, ein bisschen verzottelt, vielleicht 25, hängende Hosen, krauser Bart, irrlichternde Augen. Er ging zum Waggonende, wo sich hinter dem letzten Sitz (auf dem Ronja sass) eine Art Nische befindet. Er quetschte sich in die Nische, es sah aus wie ein Mann in einer Kiste in einem Variété-Zaubertrick. Ronja fragte, was er da mache. Er wolle einfach ein bisschen überlegen, sagte der Mann, es klang nicht überzeugend, er war dafür viel zu zappelig. Dann zottelte er murmelnd wieder davon, er war wohl verladen. In Visp sahen wir auf dem Perron zwei Bahnpolizisten, die ihn sich griffen; er hatte offenbar kein Billett und hatte sich vermutlich in der Nische verstecken wollen.

Mittwoch, 9. Mai 2018

Uber und die Uberer

Hier lebten die Uberer: die Talschaft Goms
im Oberwallis. (Wikicommons)
Uber ist dieses neuzeitlich deregulierte Taxiunternehmen. Aber was meint "Uberer" - handelt es sich um einen Uber-Fahrer? Neineinei. Gerade lese ich ein Buch über die Frühgeschichte unseres Landes. Die Uberer waren ein Keltenstamm im Oberwallis, den römische Autoren erwähnen.

P.S. Eben schrieb ich über die drei Teile des Wallis und nannte auch die Bezirke, die jeder Teil umfasst. Die Liste bekam ich von der Kommunikationsstelle des Kantons. Leider fehlte auf der Liste der Bezirk Visp, Leserin Marianne hat es gemerkt. Unterdessen habe ich in meinem Beitrag den Fehler korrigiert. Schön, wie dieses P.S. zu den Zeilen darüber passt. Der Bezirk Visp gehört zum Oberwallis. Und wer lebte dort einst? Eben, die Uberer.

Samstag, 5. Mai 2018

Gibt es 2 oder 3 Wallis?

Schönes Zentralwallis, aber auch schönes Unterwallis: Sion.Blick vom Hügel Tourbillon zum Nachbarhügel Valère mit Kirche.
Was man im journalistischen Alltag nicht alles abklären muss! Kürzlich redeten wir auf der Redaktion der "Schweizer Familie" über ein Projekt zum Thema "Unterwallis". Unsicherheit kam auf, was genau zum Unterwallis gehört. Und zwar, weil die meisten davon ausgingen, dass es zwei Walliser Kantonsteile gibt, die den zwei Sprachregionen entsprechen: das deutsche Oberwallis und das französische Unterwallis. Die Minderheit hingegen behauptete, es gebe auch noch einen Mittelteil, in dem die Kantonshauptstadt Sitten/Sion liege. Die Anfrage beim Kommunikationschef des Kantons Wallis ergab dann: stimmt beides. Im Alltagsgebrauch, legte er dar, braucht man meist die zwei Begriffe, die den Sprachregionen entsprechen. Laut Verfassung aber umfasst das Wallis drei Regionen:
  1. Oberwallis: Bezirke Goms, Brig, Raron (Ost und West), Leuk, Visp.
  2. Zentralwallis: Bezirke Siders, Sitten, Ering, Gundis
  3. Unterwallis: Bezirke Martinach, Entremont, St. Moritz, Monthey
P.S. Ering ist Deutsch für Hérens, Gundis für Conthey, Martinach für Martigny, St. Moritz für Saint-Maurice.

Samstag, 24. März 2018

Betrunken in Visp

In Visp in der Fussgängerzone fiel mir diese Linie auf. Die Walliser in ihrem rebenstrotzenden Kanton gelten als weinseliges Völklein - und so dachte ich: Die Linie hilft Betrunkenen, für die Geradeausgehen schwierig ist, beim nach Hause Navigieren.

Freitag, 23. März 2018

Der Findling mit dem Hüsli drauf

Findling mit Hüsli: die Pierre des Marmettes in Monthey.
Eine Treppe führt hinauf. Das Hüsli ist leer. Die Aussicht toll.
Als ich gestern morgen um 6 Uhr 10 aus dem Haus ging, dachte ich, ich würde am Boden festfrieren. Ein paar Stunden später, im Wallis, frühlingte es. Nun, wenigstens dort, wo die Sonne hinreichte. Ich hatte in Visp etwas zu erledigen und reiste danach weiter nach Monthey. Dort gönnte ich mir den Chemin des Blocs Erratiques, den Findlingsweg, der beim Spital hoch oben am Hang beginnt und im Rhonetal in Collombey endet. Mit den Zubringerwegen am Anfang und am Ende brauchte ich für den Themenpfad zwei Stunden. Eine kurze Wanderung also, die mich aber reich beschenkte - gleich vier gewaltige Findlinge habe ich kennengelernt. Einer, die Pierre des Marmettes am Anfang auf dem Spitalparkplatz von Monthey, hat das Zeug zum Kalendersujet.
Die Pierre à Dzo ein paar hundert Meter weiter. Ob das Arrangement hält?

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Hütet euch in Visp!

Jedesmal beim Umsteigen in Visp denke ich, dass dieser noch recht neue, im Hinblick auf die Inbetriebnahme der Lötschberg-Neat eröffnete Bahnhof eine Fehlkonstruktion ist. Die Perrons sind jeweils, wenn ein gut besetzter Zug ankommt, voll von Menschen, die anstehen müssen, um es in die enge Rampe hinab in die Unterführung zu schaffen. Es wird gedrängelt, geschubst und gerannt, denn die Umsteigezeiten sind knapp bemessen. Würde mich nicht wundern, wenn in Visp mal jemand "vertrampet" würde. Ich finde, dieser Bahnhof ist deutlich zu eng gebaut.

Samstag, 29. September 2012

Tunnelrechnen

Tunnel sei Dank ist man schneller startbereit. Etwa auf dem Simplonpass.
Diese Woche las ich in der NZZ die Zusammenfassung einer Studie des Bundesamtes für Raumentwicklung. 2007 wurde der Lötschberg-Basistunnel von Frutigen nach Visp in Betrieb genommen. Die Zahl der Bahnreisenden zwischen Bern und dem Oberwallis nahm seither stark zu. Vor vier Jahren waren es 7600, heute rund 12 000 pro Tag. Insofern ist der Tunnel, der die Reisezeit stark verkürzt, ein Erfolg. Wirtschaftlich allerdings ist er laut den Verfassern eher ein Misserfolg. Die jährlichen Folgekosten betragen 151 Millionen Franken, der quantifizierbare direkte Nutzen hingegen nur 88 Millionen. Nun ja, sei dem, wie dem sei, ich jedenfalls profitiere erheblich. Wandern im Wallis macht sehr viel mehr Spass, seit die Anfahrt deutlich weniger lang dauert.