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Montag, 7. Dezember 2020

Kirin statt Hürlimann

Blick über den Greifensee zum Mürtschenstock (l.) und Glärnisch (r.).
Der Greifensee und die ersten Meter der Glatt.

Meine Ramensuppe.
Unsere Samstagsunternehmung endete in Uster im Nooch, einem Restaurant mit asiatischer Küche - auch schön, mal was anderes zu essen als Rösti, Bratwurst, Schnitzel, Käseschnitte. Der scharfe Papayasalat war untadelig, die Ramensuppe mit Ei und Poulet ebenfalls. Gestartet waren wir am Morgen bei mässig kaltem Wetter auf der Forch. Durch das Bachtobel stiegen wir ab nach Maur und zum Greifensee, dessen nördliche Hälfte wir im Folgenden umrundeten. An der Seespitze bewunderten wir den idyllischen Riedgürtel, wo die Glatt entspringt. Später in Greifensee schauten wir uns die Kirche mit dem eigenwilligen Grundriss an und tranken im Landenberghaus-Beizli einen Glühwein. In Uster durchquerten wir wieder einmal das Industrieviertel Zellweger-Park mit dem Kawamata-Steg, Kunst in Form einer Brücke. Und dann landeten wir nach vier Stunden Gehzeit in Asien. Im Nooch eben. Das Kirin vom Fass trank sich mindestens so gut wie ein hiesiges Hürlimann-Bier.
Uster, der Herterweiher mit Roland Rohns Pavillon von 1960.
Uster, der Steg von Tadashi Kawamata, 

Sonntag, 6. Dezember 2020

Das neue V

Die V-Bahn im Jungfraugebiet besteht aus einem riesigen neuen Terminal in Grindelwald mit zwei Gebäuden. Von jedem Gebäude geht eine Seilbahn ab, die beiden Linien bilden dabei das namensgebende V. Die eine Bahn (10-er-Gondeln) führt zum Männlichen und ist seit einem Jahr offen. Die andere trägt als Dreiseil-Umlaufbahn, als technisch raffiniert geführte Grosskabine, Ausflügler und Wintersportler speditiv zum Eigergletscher - dort kann man auf die Zahnradbahn zum Jungfraujoch umsteigen, das man somit ab Grindelwald 45 Minuten schneller erreicht als bisher. Seit gestern fährt die 3S-Bahn zum Eigergletscher. 470 Millionen Franken hat das V-Projekt die Jungfraubahnen gekostet.

Der neue Terminal in Grindelwald-Grund, links geht es zum
Eigergletscher, rechts auf den Männlichen. Für Leute, die mit
der Bahn von Interlaken her anreisen, gibt es eine  neue Haltestelle
direkt beim Terminal.  (Visualisierung: Jungfraubahnen)

Samstag, 5. Dezember 2020

Widmers Wiggerwanderung

An der Wigger vor Schötz.

Mmmmm, Carbonara.
Am Mittwoch ging ich von Willisau via Alberswil, Schötz, Nebikon, Dagmersellen nach Reiden, die Luzerner Route brauchte vier Stunden und war unspektakulär. Ich begegnete keinen anderen Wanderinnen und Wanderern, dafür aber den üblichen Schatz-ich-geh-mal-eben-mit-Rex-um-die-Häuser-Hundebesitzern mit dem an die Leine geknüpften Kot-Aufklaub-Säckli. Meine treue Begleiterin war die Wigger, die, wie ich einer Tafel am Wegrand entnahm, im Dialekt "Wegere" heisst.  Übel, wie man diesem am wilden Napf geborenen Fluss weiter unten mitgespielt, ihn begradigt, kanalisiert, nein, eingesargt hat. Der Himmel war verhangen, immerhin regnete es nicht, kalt wars mit ein bisschen Bise. Umso willkommener war der Zmittag in Dagmersellen, wo ich im La Stazione sagenhaft deftige Spaghetti alla Carbonara verschlang und ein Bier trank. Die nahrhafte Kost war mehr als genug Treibstoff für den letzten Abschnitt nach Reiden. Kopf gelüftet, Gestell bewegt, Bauch gefüllt: Doch, das war gut.
So was mag ich: Handy-Auflade-Möglichkeit
morgens im Bus von Nebikon nach Willisau.

Freitag, 4. Dezember 2020

Frau Orb

Oh, ein Orb! (Foto: Balliballi/Wikicommons)
"Oh, ein Orb!", rief die Frau neben mir begeistert. Sommer wars, nach einer langen Bergwanderung hatte ich in Preda den Zug heimwärts bestiegen. Doch dann legte ein Blitz die Linie lahm, so dass wir in Tiefencastel auf den Ersatzbus wechseln mussten. Um mir die Zeit zu vertreiben, schaute ich mir im Bus nach Chur auf meinem Handy die Fotos an, die ich während der Wanderung gemacht hatte. Und die Frau neben mir, die schaute sie offenbar auch an. Und entdeckte dabei auf einem der Fotos einen Orb, wie sie mir mitteilte. Das Wort war mir neu, doch erklärte sie es mir in den nächsten zwanzig Minuten mit Enthusiasmus und übersah dabei meine Mimik, die ausdrückte, dass ich ihre Ausführungen absurd fand. Ein Orb sei nicht nur ein Lichtfleck auf einem Foto, sagte sie. Ein Orb sei eine Botschaft aus dem Jenseits, meist komme sie direkt vom Erzengel Michael. Sie habe das gründlich recherchiert und auch mit einer Amerikanerin Kontakt gehabt, die weltweit als Orb-Spezialistin gelte. Der Orb auf meinem Foto sei auffällig gross, sagte die Frau. Das sei eine besonders klare Botschaft. Meine Widerrede, dass es sich bei Orbs, auch "Geisterflecken" genannt, um ein optisches Phänomen handelt, bei dem Staubteilchen zwischen der Kamera und dem Motiv Licht reflektieren: Diese Widerrede liess meine Sitznachbarin nicht gelten. Was der Orb auf meinem Foto bedeutete, was mir also der Erzengel mitteilen wollte, erfuhr ich von ihr freilich nicht. Vermutlich fühlte sie sich von mir nicht ernstgenommen.

PS: In der deutschsprachigen Wikipedia unter "Orb" findet sich die Eso-Theorie nicht. Hingegen in der englischsprachigen.

Donnerstag, 3. Dezember 2020

Sie fragte Siegfried

Was habe ich für interessierte und tifige Leserinnen und Leser! Gestern erzählte ich vom stillgelegten Bergwerk zur "Goldenen Sonne" im steilen Nordhang hoch über Felsberg. Was ich nicht schrieb, weil ich es nicht wusste: Wie kamen die Mineure des 19. Jahrhunderts zu ihrem Arbeitsort? Auf der heutigen Landeskarte ist kein Weg eingezeichnet. Blogleserin Marianne Jeker hatte eine gute Idee: Sie konsultierte die Siegfriedkarte. Tatsächlich, auf diesem Kartenwerk, das von 1870 bis 1926 herausgegeben wurde, ist der Weg eingezeichnet. Wundern würde mich, ob es ihn heutzutage in irgendeiner Form noch gibt. Immerhin erwähnte ich gestern ja einen Strahler, der im Gebiet vor 60 Jahren Gold fand. Man müsste vor Ort schauen gehen. Aber nicht in den nächsten Monaten, mit dem Schnee könnte das gefährlich werden.

Jawohl, auf der Siegfriedkarte sehen wir den Weg von Felsberg zur Goldenen Sonne.
(Screenshot Swisstopo, Siegfriedkarte)

Mittwoch, 2. Dezember 2020

Mein Nuggettraum

Bündner Dublone von 1813,
gefertigt aus Calanda-Gold.
(Foto: Adrian Michael/
Wikicommons)
Fährt man von Chur nach Domat/Ems, sieht man bei Felsberg die vom Taminser Calanda durch die nackte Flanke abgerutschten Felsblöcke. Nachdem 1803 solche Möcken herniedergepoltert waren, endeten sie als kostenlos angeliefertes Material in den Verbauungen des Rheinufers. Dann erkannte ein Apotheker in einem der Blöcke etwas Glänzendes: reines Gold. 1809 gründete er mit anderen die Bergwerkgesellschaft "zur Goldenen Sonne", nach der auch das Bergwerk hiess, das auf knapp 1300 Metern Höhe angelegt wurde dort, wo die Brocken herkamen, die zu Tale gekollert waren. Das Gold, das man im Bergwerk fand, wurde zu "Bündner Dublonen" geprägt. So richtig reich wurden die Besitzer des Bergwerks nie, 1909 stellte man die Arbeiten endgültig ein. 1960 fand ein Strahler allerdings wieder eine Goldader. Heute ist das Strahlen in diesem Gebiet verboten. Irgendwie schade. Ich sah mich, nachdem ich von dem Goldfund des Strahlers gelesen hatte, es diesem nachtun, um nach einem ergiebigen Tag am Calanda in Domat/Ems einzutreffen, dort in der Beiz grinsend eine Runde für alle auszugeben und am Ende ein Nugget auf den Tresen zu knallen.

Das Bergwerk ist auf der Schweizmobil-Karte
eingezeichnet. Es liegt unterhalb des Taminser Älpli.
Ein Weg zur Goldenen Sonne ist nicht eingezeichnet.

Dienstag, 1. Dezember 2020

Ich fuhr auf den Butzenbüel


Vor wenigen Wochen wurde am Flughafen Zürich The Circle eröffnet, ein 1,2 Milliarden teurer Gebäudekomplex. Am Sonntag ging ich ihn mir anschauen. Wie ich erwartete, leidet er unter Corona, die Ladenpassagen sind alles andere als überlaufen, viele Geschäfte zu, manche Räume noch nicht vermietet oder belebt. Das wird sich hoffentlich geben. Zu der Anlage gehört auch ein Park mit Rundwegen und einem Pavillon. Freude bereitete mir die Standseilbahn auf den Butzenbüel, einen 23 Meter hohen Hügel in der Mitte des Parks.

Drei Dinge zur Standseilbahn. Erstens ist die Benutzung gratis. Zweitens fährt sie nicht immer. Hier die Betriebszeiten: Mi sowie Fr bis So von 10 bis 17 Uhr. Und drittens habe ich ein knapp dreiminütiges Filmli über die Standseilbahn auf Youtube gestellt.