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Donnerstag, 15. April 2021

Madonna im Exil


Die Schwarze Madonna von Einsiedeln war einst fünf Jahre lang abwesend. Im Mai 1798, als Napoleons Truppen anrückten, brachte man die Gottesmutter in Sicherheit. Man versteckte sie zuerst im Alptal, wie das Tal gegen die Mythen zu heisst, vergrub sie kurz darauf auf der nahen Haggenegg für ein paar Wochen im Boden, schaffte sie schliesslich ins Vorarlbergische. Ins sichere Exil. 1803 kam sie zurück in die neu errichtete Gnadenkapelle in der Klosterkirche und zieht dort bis heute Massen von Menschen an. Entstanden ist die Einsiedler Madonna aus Lindenholz mit dem Jesuskind im Arm um 1450 im süddeutschen Raum.

Mittwoch, 14. April 2021

Zwipf

Im Tagi sah ich vor wenigen Tagen ein Glossar mit Wörtern aus der Rekrutenschule. Ich fand es lustig. Hier vier Ausdrücke:

  1. Kebab-Chef. Tagesoffizier. Die Bezeichnung stammt von dessen Binde, auf der KC ("Kontrolle/Contrôle") steht.
  2. Picasso: der aushängende Wochenplan.
  3. Uböötlen: sich vor der Arbeit drücken.
  4. Zwipf: Zwischenverpflegung wie Früchte, Militärbiscuits oder Militärschoggi. (Foto: Hp. Baumeler /Wikicommons)

Dienstag, 13. April 2021

Eine sehr indirekte Route

Sorry, was ist das denn für eine Route? Pfungen – Winterthur auf sehr indirekte Art.

Brätlen macht gute Laune. Immer.
Die Route, die ich meinem Grüpplein zweiTage vor dem Wandersamstag per Mail vorgeschlagen hatte, löste Stirnrunzeln aus – dieses Geschlängel, dieses Vorwärts und dann im spitzen Winkel Rückwärts, dieses kuriose Auf und Ab. Nun, ich hatte mir durchaus etwas überlegt, nämlich dies: Ich wollte ein paar markante Hügel bei und in Winterthur verknüpfen und so demonstrieren, wie grosszügig die zweitgrösste Zürcher Stadt mit naher Natur ausgestattet ist; meiner Meinung nach können die Zürcher mit ihrem Uetliberg und die Berner mit ihrem Gurten einpacken, sobald die Winterthurer Höger ins Spiel kommen. Winterthurs Gipfel toppen alles. Wir starteten in Pfungen, bestiegen durch ein reizendes Tobel den Schlossbuck zur Hälfte, gingen in seiner Waldflanke weit nach Osten, stiegen ab ins Rumstäli und stiegen gleich wieder auf zum Beerenberg. Daselbst wurde gebrätlet, wir können das mittlerweile aus dem Effeff, ratschbummzack ist alles ausgepackt und der Wein entkorkt und das Feuer entfacht und die Wurst parat. Wieder hielten wir hinab und hielten wieder hinauf nach Hoch-Wülflingen, einem Burghügel ohne Burg; die ist entschwunden. Und hielten wieder hinab und wieder hinauf nach Alt-Wülflingen, wo ein imposanter, per Treppe erschlossener Bergfried an die adeligen Bewohner noch erinnert. Und hielten wieder hinab und wieder hinauf auf den Brüelberg – schade, war der Turmaufgang verschlossen. Eine halbe Stunde später, nach fünf Gehstunden (665 Meter aufwärts, 635 abwärts), waren wir uns einig: Das war gut.
Auf dem Bergfried der Ruine Alt-Wülflingen, unten Winterthur. Links ein Teil des Brüelbergs.

Montag, 12. April 2021

Klosterklaubrüder

Die alten Mauern des Klosters.
Sockel markieren das Geviert des Kreuzganges.
Blick von Süden zum Beerenberg.
Westlich von Wülflingen, einem Winterthurer Stadtkreis, bestiegen wir am Samstag den Beerenberg und stiessen auf die Reste des Klosters Mariazell am Beerenberg. Viel ist nicht übriggeblieben, ein paar kubische Sockel markieren immerhin den ehemaligen Kreuzgang, dicke Fundamentmauern das Hauptgebäude. 1362 nahm das Kloster seinen Betrieb auf, nachdem zuvor schon ein Eremit auf dem Berg gesiedelt hatte. Es kam bald, indem es von seinen weltlichen Herren, etwa dem Habsburger Leopold III., generös gefördert und mit Privilegien ausgestattet wurde, zu Reichtum. Und wie das so geht, vollzog sich ein moralischer Niedergang: Man betete immer weniger, prasste immer mehr. 1482 verfügte der Papst die Schliessung, worauf einige Klosterbrüder versuchten, mit geklautem Geld, Reliquien und wertvollen Gegenständen ins Ausland zu fliehen. Der Landvogt liess sie einfangen. Mit der Zürcher Reformation endete die Geschichte des Beerenbergklosters endgültig, 1528 fielen die Gebäude und Güter dem Staat anheim. Ein Gerichtsherr aus Pfungen war es, der nun als Besitzer einzog.

Sonntag, 11. April 2021

Saubere Seen

Es gibt nichts, was einen Text so wirksam kaputtmacht wie zu viele Adjektive, die dann auch noch erwartbar sind. Abgeschmackt. Oder gar kontraproduktiv: Preist mir ein Werbemensch "saubere Seen" an, meldet sich in mir ein ungutes Gefühl, weil ich daran erinnert werde, dass es auch unsaubere Seen gibt. Liebe SBB, sag doch bitte dem Texter deines neusten Newsletters (am Donnerstag mir zugegangen), dass er oder sie sich beim Schreiben etwas mehr überlegen soll. Und mal eine Stillehre in die Hand nehmen. Und das Kapitel "Das Adjektiv" lesen. Ich wäre dankbar.

Hier ein Screenshot.

Samstag, 10. April 2021

Deponierösti

Kölliken, die Deponiehülle im Jahr 2008.
(Foto: Badener/Wikicommons)

Die Fläche ist so gross wie zehn Fussballfelder. Die sie überspannende Halle war entsprechend monumental. Mittlerweile ist der Erdgrund saniert, die Schutzhülle abgebaut, die Massnahmen kosteten übrigens rund 900 Millionen Franken. In Kölliken im Aargau debattiert man zurzeit, wie es mit mit dem Areal der ehemaligen Sondermülldeponie weitergehen soll, das derzeit einer Wüste gleicht: alles braun. Die Idee Bauland steht nicht zur Debatte. Hingegen die Frage, wie viel Land der Landwirtschaft zugeschlagen werden soll und wie viel unter Naturschutz gestellt. Darüber las ich online bei srf.ch eben einen Artikel. Und während ich ihn las, dachte ich, dass ich persönlich jetzt keine Kartoffeln kaufen würde, die diesem Gelände entstammen. Auch wenn das möglicherweise irrational ist und die Rösti munden würde.

Freitag, 9. April 2021

Bechue?

Der Preis und die fünf Nominierten für 2021.
(Screenshot Medienmitteilung)
Gestern las ich den neusten Newsletter des Verlagshauses Schwellbrunn, das das "Appenzeller Magazin" herausgibt. Zusammen mit einer Stiftung wolle besagtes Magazin jährlich eine Person auszeichnen, die sich kulturell oder sozial für die Gemeinschaft eingesetzt habe, stand da. Und ich stolperte über den Namen des Preises, "Di goldig Bechue". Obwohl ich doch Appenzeller bin, war ich ratlos. Google half mir. Die "Bechue", auch "Beechue", ist eine Beinkuh. Offenbar gibt es einen Appenzeller Brauch, aus dem Holz eines alten Christbaums Kühlein zu schnitzen. Bechüeli eben. Nie davon gehört, nie gemacht.